Mittwoch, 16. Januar 2019
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Finanzspritzen von der öffentlichen Hand

So gut wie jedes Vorhaben lässt sich mit Fördermitteln finanzieren. Wer auf die Finanzspritzen der öffentlichen Hand setzt, muss die Spielregeln einhalten.

Foto: © Frank Peters/123RF.com

Der Tischlermeister braucht für seinen frisch gegründeten Betrieb eine halbe Million Euro teure CNC-Maschine, der junge Elektromeister muss für seinen frisch übernommenen Betrieb eine neue Lagerhalle bauen und der Malermeister für sein frisch eingestelltes Personal eine Fahrzeugflotte finanzieren. Was die drei eint: Sie unternehmen ihrer ersten Schritte als Betriebsinhaber, müssen kräftig investieren – und haben keine eigenen Mittel dafür. Was bleibt, ist der Weg zur Bank, um sich die Finanzierung zu sichern. Dabei sollten sie eine Möglichkeit immer miteinplanen: die Fördermittel.

Gelder von der öffentlichen Hand gibt es für nahezu jedes Vorhaben und Projekt, zuständig dafür sind die öffentlichen Förderbanken. Wer in den Genuss dieser öffentlichen Finanzspritzen kommen will, muss sich dafür aber an die Regeln halten (siehe Kästen). Die wichtigste Regel lautet, dass keiner mit einem Vorhaben schon anfangen sollte, bevor er einen Förderantrag stellt. Denn grundsätzlich gibt es Fördergelder nur für Vorhaben, die es noch zu realisieren gilt. Kurz gesagt: Erst beantragen, dann loslegen – und zwar nach Erhalt des Bescheids, ob der Projektinitiator mit Fördergelder rechnen kann oder nicht.

Für das Land Nordrhein-Westfalen gibt es eine Förderinstitution, über die die öffentliche Finanzierung läuft: die NRW.BANK. Als Förderbank für das größte Bundesland unterstützt sie Nordrhein-Westfalen bei seinen struktur- und wirtschaftspolitischen Aufgaben – im öffentlichen Auftrag, wettbewerbsneutral und mit dem gesamten Spektrum kreditwirtschaftlicher Förderprodukte. Zum Angebot gehören Zuschüsse, zinsverbilligte Kredite oder Subventionen für Vorhaben (siehe Kasten). Dabei bewegt sich die Förderinstitution in den drei Förderfeldern "Wirtschaft", "Wohnraum" sowie "Infrastruktur/Kommunen".

Mit ihrem Angebot trifft die NRW.BANK offensichtlich die Nachfrage: Im abgelaufenen Jahr 2016 erzielte die nordrhein-westfälische Förderinstitution mit Förderzusagen in Höhe von 11,2 Milliarden Euro einen neuen Rekord. "In Nordrhein-Westfalen soll keine gute Idee an der passenden Finanzierung scheitern", sagt Ingrid Hentzschel, Leiterin Hausbanken und Fördernehmerberatung bei der NRW.BANK.

Betriebsinhaber und Gründer müssen aber wissen: Sie können zwar über die NRW.BANK kostenlose Beratungen in Sachen Finanzierung oder Fördermittel erhalten, aber das Geld fließt über die Hausbanken. Da arbeitet die NRW.BANK mit allen anderen Kreditinstituten zusammen, also mit den genossenschaftlichen und privaten Banken sowie den Sparkassen.

Wer also größere Investitionen stemmen muss, sollte gerade als Existenzgründer oder Jungunternehmer kein Geld verschenken, sondern beim Gespräch mit dem Firmenkundenberater seiner Hausbank immer das Thema Fördergelder mit auf den Tisch legen.

 

Diese Förderarten gibt es ...

Bürgschaften. Jedes Kreditinstitut verlangt bankübliche Sicherheiten für die Gewährung eines Kredites. Mangelt es beim Kreditnehmer an ausreichenden Sicherheiten, können Bürgschaften weiterhelfen. Öffentlich geförderte Bürgschaftsbanken sichern;Kredite mit einer Bürgschaft von max. 750.000 Euro ab.

Garantien. Der Staat übernimmt für einen Auftrag eine Einzeldeckung oder spricht sie pauschal für mehrere Kunden mit sehr kurzen Zahlungszielen aus. Garantien gibt es aber nur für Auslandsgeschäfte.

Subventionen. Gelder vom Staat fließen regelmäßig für ein Vorhaben, für Regionen oder Unternehmen wie etwa einst die Steinkohleförderung. Auf Subventionen haben die Empfänger übrigens einen Rechtsanspruch, was für normale Fördermittel nicht gilt.

Zinsverbilligte Kredite. Die öffentliche Hand hilft durch eine Absenkung der Zinshöhe, oft in Verbindung mit jederzeit möglichen Sondertilgungen. Fehlen Sicherheiten, gibt es Haftungsfreistellungen, das Risiko teilen sich dann Fördergeldgeber und die Hausbank.

Zuschüsse. Das ist Geld vom Staat, das es zum Vorhaben dazu gibt und nicht mehr zurückgezahlt werden muss. Voraussetzung dafür ist allerdings die Einhaltung der Vorgaben, sonst kostet es neben der Summe auch noch Zinsen.

... und so kommen Sie ans Fördergeld

Die wichtigste Regel zuerst: erst die Theorie, dann die Praxis. Anders gesagt: Der Antrag muss als erstes fertig sein, denn für laufende Projekte gibt es keine Fördergelder. Diese vier Schritte zum Fördergeldantrag haben sich bewährt:

Projektskizze. Legen Sie Zeitraum und Vorhaben in den einzelnen Projektschritten konkret fest.

Risikoabschätzung. Zu jedem geschäftlichen Vorhaben gehören Chancen und Risiken, eine Konkurrenz- und Marktanalyse, Übersichten und betriebsinterne Erfordernisse.

Beratungsbedarf. Das fertige Konzept sollten Sie im Bekanntenkreis, aber auch mit Experten diskutieren. An erster Stelle sollte der Berater der Handwerkskammer oder des Fachverbands stehen. Berater erkennen in der Regel Stärken und Schwächen des Konzepts, auch die NRW.BANK unterstützt Gründer sowie kleine und mittlere Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen;durch kostenlose finanzierungs- und förderorientierte Einzelberatungen.

Investitionsbedarf. Zu jedem Projektschritt gehört ein Finanzierungsplan. An dieser Stelle gehört die Hausbank mit ins Boot, da der Firmenkundenberater des Finanzinstituts für den Förderantrag zuständig ist. Das Projekt ist noch immer Theorie und steht nur auf dem Papier.

Was noch wichtig ist:

  • Sie haben auf Fördergelder keinen Rechtsanspruch, auch keinen garantierten Erhalt.
  • Keiner kann die Hausbank verpflichten, Ihren Fördergeldantrag weiterzuleiten.
  • Wer gründen will und mit negativen Einträgen bei der Schufa zu finden ist, erhält in der Regel kein Geld.

 

 

NRW Bank Kolja Matzke DSC4885

Ingrid Hentzschel, Leiterin Hausbanken- und Fördernehmerberatung bei der NRW.BANK
"In Nordrhein-Westfalen soll keine gute Idee an der passenden Finanzierung scheitern."

 

 Fotos: © Frank Peters/123RF.com, Kolja Matzke/NRW.Bank

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