Freitag, 17. November 2017
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Zwei Stunden pro Woche für die Bürokratie

Die Bürokratie macht Gründern in Deutschland das Leben schwer, jeder dritte klagt darüber. Zwei Stunden in der Woche brauchen sie nur für ihre bürokratischen Pflichten.

Foto: © Andriy Popov/123RF.com


Was macht Existenzgründern in Deutschland das Leben schwer? Es ist natürlich die Bürokratie mit ihren Hürden und Verzögerungen. Sie wurde am häufigsten bei einer Befragtung genannt, der Ergebnisse in dem neuen KfW-Gründungsmonitor veröffentlicht wurden. Jeder Dritte klagt darüber. An zweiter Stelle nennen Existenzgründer die familiäre Belastung (27 Prozent), es folgen die Auftragsakquise (26 Prozent) sowie die konjunkturellen und finanziellen Risiken der Selbstständigkeit (jeweils 22 Prozent).

Die Studie von KfW Research zeigt: Gründer wenden etwa zehn Prozent ihrer wöchentlichen Arbeitszeit für die Bewältigung administrativer Pflichten auf, das sind immerhin zwei Stunden in der Woche. Allerdings lassen sich die neuen Unternehmer davon nicht entmutigen. "Bürokratie kostet Gründer zwar Zeit und Nerven, deshalb werden aber kaum Gründungsprojekte abgebrochen oder Gründungspläne in der Schublade gelassen", sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Wenn sie aufgeben, ist dafür das finanzielle Risiken, attraktive Jobalternativen oder eine unbefriedigende Ertragslage verantwortlich und nicht die Bürokratie.

Kompliziertes Steuersystem nervt besonders

Und welche der bürokratischen Pflichten nerven Gründer besonders? Mehr als die Hälfte von ihnen klagt über den Aufwand für die Anmelde- und Registrierungsprozesse und die komplizierte Besteuerung. Nach der Gründung klagen die Gründer übrigens noch häufiger über die Schwierigkeiten mit dem Steuersystem. Interessant: Ältere Gründer klagen seltener über bürokratische Schwierigkeiten als jüngere (nur 28 Prozent der über 50-Jährigen).

Bürokratieabbau durch "Entschlackung der Handwerksordnung"?

Zwar gab es beim Bürokratieabbau schon Fortschritte, unter dem Strich gab es in den letzten Jahren beim Bürokratieabbau mehr Fort- als Rückschritte. Als Beispiel nennt die Studie aber ausgerechnet den Abbau von bürokratischen Hürden im Zuge der Agenda 2010, zum Beispiel "durch die Entschlackung der Handwerksordnung (Stichwort 'Meisterzwang')".

KfW-Chefsvolkswirt setzt für die Zukunft beim Bürokratieabbau vor allem auf die Digitalisierung: "Durch einen konsequenten Ausbau des E-Government könnten Verwaltungsprozesse schneller und effizienter gestaltet werden. Behördengänge ließen sich durch Online-Angebote vermeiden, Meldepflichten könnten automatisiert abgewickelt werden. Für den großen Wurf wären aber bundesweite Mindeststandards und eine einheitliche IT-Infrastruktur notwendig."

Foto: © Andriy Popov/123RF.com

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