Sonntag, 22. Juli 2018
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Migranten sind aktive Existenzgründer

Vorurteile ade: 2016 war jeder fünfte Gründer in Deutschland Ausländer oder eingebürgert. Sie investieren mehr Zeit in ihre Firmen und schaffen häufiger Arbeitsplätze.

Foto: Wavebreak Media Ltd/123RF.com


Die Zahl der Existenzgründer ist im Jahr 2016 auf einen neuen Tiefstand gesunken. Noch nie haben sich so wenige Menschen selbstständig gemacht wie im vergangenen Jahr. Ohne Migranten läge die Gesamtzahl der Existenzgründungen allerdings noch niedriger. Denn 2016 war jeder fünfte Gründer in Deutschland Ausländer oder eingebürgert. Doch die Entwicklung bei den Migranten liegt im Trend: Auch sie erreichte mit 139.000 Gründungen 2016 den niedrigsten Stand seit Erhebung des Wertes im Jahr 2009. Das zeigt die aktuellen Kurzanalyse von KfW Research "Gründungen durch Migranten: Gründungsfreude trifft Ambition".

 Es gibt einige interessante Unterschiede:

  • Migranten sind leicht überdurchschnittlich gründungsaktiv (21 Prozent bei einem Bevölkerungsanteil von 20 Prozent).
  • Am gründungsfreudigsten sind Migranten mit akademischem Abschluss: Die Quote überragt mit 3,1 Gründern/100 Erwerbsfähigen sowohl die Gründerquote bei Migranten insgesamt (1,8 Prozent) als auch die allgemeine Gründerquote bei Akademikern (2,3 Prozent) deutlich.


Der KfW-Gründungsmonitor zeigt außerdem, dass Migranten ihre Existenzgründungen überdurchschnittlich offensiv angehen:

  • Sie investieren mehr Wochenstunden in ihre Gründungsprojekte (durchschnittlich 32 Stunden verglichen mit 29 Stunden bei Gründern insgesamt);
  • gründen häufiger im Team (23 Prozent zu 20 Prozent) und
  • schaffen häufiger Arbeitsplätze (39 Prozent zu 28 Prozent).
  • Jeder fünfte möchte mit seinem Unternehmen "so groß wie möglich" werden (22 Prozent). Insgesamt streben dies nur 15 Prozent aller Gründer an.


Allerding liegt auch ihre Abbruchquote höher ist als im Durchschnitt: 41 Prozent geben innerhalb der ersten drei Jahre ihre Existenzgründung auf im Vergleich zu 30 Prozent aller Gründer. Das führt der KfW-Gründungsmonitor darauf zurück, dass Migranten insgesamt häufiger gründen, weil sie keine Erwerbsalternative haben – und Notgründer beenden ihr Gründungsprojekt eher wieder, wenn sich attraktive Jobmöglichkeiten bieten.

Unterschiede gibt es auch bei der Gründungsfinanzierung. Migranten nutzen seltener Bankdarlehen als Finanzierungsquelle. Sie greifen dafür häufiger auf Überziehungskredite oder auf die finanzielle Unterstützung von Freunden und Verwandten zurück.

"Die Tendenz zu teureren Überziehungskrediten kann ein Hinweis auf beschränkten Kreditzugang sein, der seinerseits Erfolgschancen mindert. Eine erfolgversprechende Gründung sollte aber nicht am Kreditzugang scheitern", sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe: "Für Gründer ist ein offener und bezahlbarer Kreditzugang wichtig."

Foto: Wavebreak Media Ltd/123RF.com

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