Samstag, 20. Oktober 2018
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Diese Versicherungen brauchen Sie!

Viele Jungunternehmer und Existenzgründer fühlen sich mit der Frage überfordert: Welche Versicherungen brauchen sie für ihren Betrieb wirklich? Wir haben die wichtigsten Versicherungen für Sie zusammengestellt.

Illustration: © Aleksey Telnov/123RF.com

Grundsätzlich gilt: Die wichtigsten Versicherungen sind solche, die die existenzgefährdenden Risiken abdecken. Das sind zunächst einmal Schadenersatzansprüche, denn die gesetzliche Haftung ist unbegrenzt. Danach geht es an die Absicherung von Risiken, die enorm teure Schäden nach sich ziehen können. Die Wahrscheinlichkeit ist dabei zweitrangig. Wer dann noch Geld übrig hat, kann auch weniger bedrohliche Risiken abdecken.

Betriebshaftpflichtversicherung:

Jeder macht mal einen Fehler. Die betriebliche Haftpflichtversicherung schützt dann zumindest vor den finanziellen Folgen. Etwa wenn Kunden, Nachbarn oder andere den Betrieb für eine Sachbeschädigung, eine erlittene Verletzung oder einen Einkommensverlust haftbar machen. Deshalb ist sie ein absolutes Muss. Die Versicherungssumme bildet die Obergrenze für die Erstattung. Der Unternehmer haftet jedoch unbegrenzt. Diese Diskrepanz ist leider nicht aus der Welt zu schaffen. Sparen Sie deshalb nicht an der Höhe der Versicherungssumme. Achten Sie darauf, die Summe aktuell zu halten. Ratsam ist eine Vorsorgedeckung für mögliche neu hinzukommende Risiken sowie eine Nachhaftung für Schäden, die nach Beendigung des Betriebs noch anfallen könnten.

Produkthaftpflichtversicherung:

Die Haftung für fehlerhafte Produkte ist nicht minder streng als die für Umweltschäden. Sie gilt übrigens in der gesamten EU unabhängig davon, ob den Hersteller ein Verschulden trifft (Gefährdungshaftung). Ein Produkt ist nach dem Produkthaftungsgesetz bereits dann „fehlerhaft“, wenn etwa die Gebrauchsanweisung missverständlich ist. Oft ist die Produkthaftpflicht in der normalen Betriebshaftpflichtversicherung eingeschlossen. Nachfragen schafft Klarheit!

Umwelthaftpflichtversicherung:

Wenn durch die betriebliche Tätigkeit ein Schaden an der Umwelt entsteht, muss der Betriebsinhaber als Verursacher haften. Die deutschen Umweltvorschriften haben einen sehr hohen Standard. Wer also mit Mitteln (zum Beispiel Chemikalien, Heizöl) arbeitet, die Umweltschäden verursachen können, sollte die Zusatzdeckung zur Betriebshaftpflichtversicherung unbedingt abschließen. Im Rahmen der normalen Betriebshaftpflichtpolice sind Umweltschäden meist nicht gedeckt. Das kostet zwar einen höheren Beitrag, aber die Folgen könnten den Inhaber in den Ruin treiben. Kosten zur Entsorgung und Renaturierung sind eingeschlossen.

Flottenversicherung:

Die Kfz-Haftpflicht ist Pflicht für jeden, der ein Fahrzeug am Start hat. Sie zahlt den Schaden des Unfallgegners. Den Schaden am eigenen Fahrzeug kann man über eine Kaskoversicherung in den Varianten Voll- oder Teilkasko absichern. Tipp: Je mehr Fahrzeuge zum Fuhrpark gehören, desto größer ist der Verhandlungsspielraum gegenüber der Versicherung.


Betriebsunterbrechungsversicherung:

Oft verkannt und doch relevant: der Stillstand eines Betriebs nach einem Brand- oder Sturmschaden. Das kann Handwerksunternehmen teurer zu stehen kommen als der ursprüngliche Sachschaden. Denn in solchen Zwangspausen müssen Löhne, Kreditzinsen und andere fixe Kosten weitergezahlt werden. Es wird aber nicht mehr gearbeitet und somit nichts verdient. Hier springt eine Betriebsunterbrechungsversicherung ein.


Rechtsschutzversicherung:

Ein Rechtsstreit kostet Geld und Nerven. Praktischerweise lassen Sie einen Anwalt das für Sie erledigen. Doch der ist teuer. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt zusätzlich zu den Anwaltskosten auch die Kosten für Gutachter und Gericht. Allerdings sind umfassende Rechtsschutzpolicen nicht billig.

Internet-/Vermögensversicherung:

Täglich werden Firmen gehackt. Die Methoden werden immer dreister. Die Versicherer feilen deshalb auf Hochtouren an sogenannten Cyber-Policen. Da neue Risiken schwierig zu kalkulieren sind, gehen sie recht vorsichtig ran. Anfangs sind sie deshalb noch recht teuer. Doch das Preis-Leistungs-Verhältnis wird stetig besser. Es lohnt sich auf jeden Fall, ein Angebot einzuholen. Mitunter sind Angriffe auf die eigene IT-Infrastruktur auch über die Vermögensschaden- beziehungsweise Vertrauensschadenversicherung gedeckt, die auch vor unlauteren Mitarbeitern schützt.

Gebäudeversicherung:

Das Betriebsgebäude ist oft das wichtigste Kapital des Handwerksbetriebs. Das sollte deshalb zumindest vor Schäden durch Feuer, Blitz, Hagel, Sturm (ab Windstärke 8) und Leitungswasser geschützt werden. Es ist ratsam, die erweiterte Elementargefahrendeckung mit abzuschließen, denn dann sind auch Erdbeben, Überschwemmung und Erdrutsch gedeckt. Für Rohbauten empfiehlt sich eine gesonderte Feuerrohbauversicherung. Für Bauunternehmer gibt es zudem die Bauleistungsversicherung, damit er vor unvorhergesehenen Schäden während der Bauzeit geschützt ist, wie zum Beispiel wilde Zerstörung durch Vandalismus oder Konstruktions- und Materialfehler oder ein Hochwasser.


Betriebsinhalts-/ Inventarversicherung:

Das ist sozusagen die Hausratversicherung für das Unternehmen. Sie greift bei Einbruchdiebstahl, Raub, Feuer, Blitz, Explosion, Sturm (ab Windstärke 8), Hagel, Schäden durch Leitungswasser sowie Vandalismus. Versichert ist das Inventar bis zur Höhe der Versicherungssumme, und zwar auf dem gesamten Betriebsgelände, auf der Baustelle oder auch am Montageort – wenn es denn vorschriftsmäßig gesichert ist. Tipp: Wer teure Maschinen hat, sollte zusätzlich über den Abschluss einer Maschinenversicherung nachdenken.


Kautionsversicherung:

Vertrauen ist gut, Sicherheiten sind besser. Eine Alternative zur Bankbürgschaft bietet die Kautionsversicherung. Sie kann passgenau auf die Sicherheitserfordernisse zugeschnitten werden. Anders als Avale oder Sicherheitseinbehalte belastet sie nicht den Kreditrahmen. Auch bereits bestehende Bankbürgschaften können so abgelöst werden, um die Kreditlinie zu schonen.


Private Vorsorge des Betriebsinhabers:

Der Betrieb kann noch so gut abgesichert sein – das hilft alles nichts, wenn der Meister krank wird oder aus anderen Gründen plötzlich ausfällt. Damit der Rubel weiter rollt und die Existenz nicht gefährdet ist, muss frühzeitig vorgesorgt werden. Der Versicherungsmarkt bietet dazu zahlreiche Angebote an. Am wichtigsten ist eine umfassende Invaliditätsabsicherung über eine Berufs- unfähigkeitsversicherung oder zumindest eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung und Unfallversicherung sowie eine Kranken- und Pflegeversicherung inklusive Krankentagegeldversicherung. Angehörige und Erben können über eine Risikolebensversicherung für den Todesfall versorgt werden.

Text: Rita Lansch, Illustration: © Aleksey Telnov/123RF.com

 

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